Schlösser-Tour auf Usedom

Schlösser umweht immer ein besonderer Hauch. Dieser weckt den Entdeckerdrang. Auf Usedom kann man gleich drei erkunden – mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Wie viele Schlösser und Burgen es in Deutschland gibt, ist schwer zu schätzen. Bisher existiert noch keine komplette Datenbank, die alle auflistet. Ihre Zahl liegt aber vermutlich weit über 25.000. Sie sind Zeugen spannender Geschichte und manchmal auch Symbol für den Aufstieg und Untergang herrschender Adelshäuser. Viele von ihnen sind inzwischen verfallen, andere durch Krieg oder politische Ideologien zerstört. Einige jedoch wurden mit viel Liebe und Fleiß erhalten, restauriert und neu genutzt. Drei Beispiele dafür befinden sich auf der Ostseeinsel Usedom.

Schlösser spiegeln Geschichte

Mecklenburg-Vorpommern blickt auf eine turbulente Geschichte zurück. Das zeigt sich auch in seinen Burgen und Schlössern. Durch Hansebund und schwedische Herrschaft sowie den späteren Einfluss der Preußen variierten die Besitzer der einstigen Prunkbauten. Anschließend trugen Enteignung, unpassende Nutzung sowie fehlendes Geld für dringend notwendige Reparaturen zum Verfall der historischen Bauwerke bei. Inzwischen sind glücklicherweise Schlösser und Burgen bei in- und ausländischen Touristen so gefragt, dass sich Investitionen wieder lohnen. Das ist auch auf Deutschlands zweitgrößter Ostseeinsel der Fall. Auf Usedom weckten kreative Köpfe mit fleißigen Händen und unterschiedlichen Ideen drei völlig verschiedene Schlösser aus dem Dornröschenschlaf.

Witwensitz einer Herzogin: Schloss Pudagla

Das ehemalige Herzogsschloss wurde im 16. Jahrhundert als Witwensitz für die Herzogin Maria von Sachsen erbaut. Von hier aus wurde einst auch die Gemeinde Pudagla verwaltet. Zu Zeiten der Schwedenherrschaft wurde es königlich-schwedisches Kammergut und ging dann nach Übernahme der Insel Usedom durch die Preußen in den Eigentum der preußischen Krone über.

Zu DDR-Zeiten nutzte eine LPG das Gebäude. Erst nach der Wende wurde das inzwischen völlig heruntergewirtschaftete Schloss restauriert. Heute beherbergt es ein Café, in dem man in historischer Atmosphäre Kaffee und Kuchen genießen kann. Bekannt wurde sein Kellergewölbe auch durch das Buch „Die Bernsteinhexe" des Schriftstellers und Pfarrers Meinhold. Der Prozess gegen die mutmaßliche Hexe Maria Schweidler spielt im Kreuzgewölbekeller des Schlosses.

Schloss Stolpe und die Schwerins

Schloss Stolpe ist, genau wie seine Besitzer, durch viele Höhen und Tiefen gegangen. Auf mittelalterlichen Mauerresten baute Otto von Schwerin Ende des 16. Jahrhunderts einen Herrensitz im Renaissancestil. Ende des 19. Jahrhunderts verwandelten die Schwerins Stolpe dann in ein Schloss mit Türmchen und Arkaden, ergänzten Wirtschaftsräume, Gästezimmer und einen Saal mit eindrucksvoller Stuckdecke für Gesellschaften.

Freda Gräfin von Schwerin war die letzte Herrin auf Schloss Stolpe. Energisch verteidigte sie ihre Heimat im zweiten Weltkrieg gegen die Russen, musste aber aufgeben, als der Jahrhunderte alte Familienbesitz durch die Bodenreform 1945 enteignet wurde. Der Gräfin blieb nichts als die Wohlfahrt. Sie zog nach Lüneburg und starb dort verarmt 1957. Ihre letzte Ruhe fand sie aber wieder in Stolpe, auf dem Dorffriedhof.

Schloss Stolpe verfiel immer mehr. Mitte der 90er Jahre übernahm dann die Gemeinde das verwahrloste Anwesen mit der Auflage, es instand zu setzen. Es wurde in einen Hotelkomplex integriert. Der Saal mit der herrlichen Stuckdecke dient immer noch, wie schon zu Zeiten der Gräfin, für besondere Events. Das Schloss kann heute nach Anmeldung besichtigt werden.

Idyllisches Renaissance-Schloss in Mellenthin

Graf Rüdiger von Neuenkirchen ließ das Wasserschloss Mellenthin in der Blütezeit des deutschen Renaissance-Stils 1575-1580 erbauen. Im Laufe der Jahrhunderte erlebte das Wasserschloss Mellenthin viele Veränderungen und Besitzer. 2001 kaufte die Familie Fidora das Schloss von der Gemeinde. Keller, Erdgeschoss und 1. Obergeschoss wurden renoviert und ein Restaurant und Café eröffnet. Das Schloss hat bis zum heutigen Tag nichts von seinem Reiz verloren. Sowohl das liebevoll restaurierte Innere ist einen Besuch wert, als auch die beeindruckende Baumallee, die zum Schloss führt. Zudem lädt ein schöner Rundweg unter uralten Bäumen durch den Schlosspark zum Spazieren gehen ein. Ein 20 Meter breiter Wassergraben umschließt schützend das gesamte Ensemble. Ein riesiges, schmiedeeisernes Tor führt auf einen idyllischen Innenhof mit Kopfsteinpflaster. Dort laden Strandkörbe und Tische zum Verweilen ein. Ein besonderes Schmuckstück in der großen Eingangshalle ist der im Jahre 1613 eingebaute, reich verzierte Kamin.

Der umtriebige Schlossherr Jan Fidora hat sein Domizil zu einem Geheimtipp für Wohnen, Erholen, Feiern und Genießen gemacht. So zählt zu den Highlights des Wasserschlosses neben einem Hotel im Seitenflügel auch eine Hausbrauerei. Hier wird ganzjährig selbstgebrautes helles und dunkles Mellenthiner Bier angeboten sowie je nach Lust und Laune des Braumeisters auch weitere Sorten. Seit neuerem kann man sogar hauseigene Limonaden kosten. Selbst eine eigene Kaffeerösterei befindet sich in der ehemaligen Schlosshofkapelle auf Wasserschloss Mellenthin. Ein authentischer kleiner Shop bietet neben dem hauseigenem Kaffee auch ausgesuchte regionale Produkte an.

Kaffee und Souvenirs – Shop im Wasserschloss Mellenthin
Kaffee und Souvenirs – Shop im Wasserschloss Mellenthin

Wasserschloss Mellenthin
Schlossallee 5
17429 Mellenthin
Tel.: 038379 2878-0
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Täglich ab 11 Uhr geöffnet.
4.November-31.Dezember täglich ab 12 Uhr geöffnet.
 
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