Von Mellenthin zum verrückten Bügeleisenhaus

Das womöglich skurrilste Museum Usedoms ist das verrückte Bügeleisenhaus. Hier finden sich etwa 3000 der schweren und doch filigranen Exponate.

Ein Museumsbesuch – nicht nur bei Regenwetter

Die zweitgrößte Insel Deutschlands ist für viele Ostsee-Fans einfach das Größte. Das zeigt sich in den Übernachtungszahlen. Mit über fünf Millionen gewerblicher Übernachtungen jedes Jahr liegt Usedom klar vor dem größeren Inselnachbarn Rügen. Das liegt aber nicht nur an den vielen Sonnenstunden und dem herrlichen Sandstrand. Usedom bietet zudem beste Bedingungen für Menschen, die sich aktiv erholen wollen. So haben die ausgeschilderten Wanderwege eine Länge von 400 Kilometern. Das Radwandernetz, das natürlich auch Fußgänger nutzen dürfen, ist noch einmal mehr fast 200 Kilometer lang. Das lockt Aktiv‐Urlauber nicht nur in den Sommermonaten, sondern gerade auch in der Nebensaison an. Als begeisterte Wanderer schätzen wir natürlich besonders die Jahreszeiten, in denen nicht so viel los ist.

Nicht nur, weil wir dann die Natur ganz für uns haben. Nein, auch die zahlreichen Museen der Insel sind dann nicht so stark besucht. Im Sommer hingegen steht gerade bei Regenwetter ein Museumsbesuch weit oben auf der Tagesordnung. Ob nun die Schmetterlingsfarm in Trassenheide, die Naturerlebniswelt in Heringsdorf oder das verrückte Bügeleisenhaus in Zinnowitz – von unserem Basislager, dem Wasserschloss Mellenthin aus, können wir die meisten Museen Usedoms in etwa 20 Minuten mit dem Auto erreichen.

Ein Eintritt, drei Museen

Die Schmetterlingsfarm in Trassenheide hat uns tief beeindruckt. Was liegt also näher, als auch dem verrückten Bügeleisenhaus in Zinnowitz direkt an der Hauptstraße B111 mal einen Besuch abzustatten? Sie werden sich vielleicht wundern, warum wir das naheliegend finden. Tatsächlich haben filigrane Schmetterlinge mit massiven Bügeleisen so überhaupt nichts gemeinsam. Die Gemeinsamkeit findet sich im Impressum der Webseiten oder an der Kasse. Die Schmetterlingsfarm in Trassenheide wird nämlich wie das verrückte Bügeleisenhaus in Zinnowitz und auch die Naturerlebniswelt in Heringsdorf von der gleichen Inhaber-Familie Lehmann betrieben. Der Eintritt zu einem dieser Museen berechtigt auch zum Besuch der anderen beiden. Wir finden die Idee ganz prima. Sonst hätten wir eines, womöglich sogar zwei dieser äußerst sehenswerten Museen nicht kennengelernt.

Schwere Bügeleisen und filigrane Glaskunst

Dass es die Lehmanns 1987 für viele Jahre nach Thailand zog , wo beide im Urwald Insekten und Natur erforschten, haben wir schon in ihrer Schmetterlingsfarm in Trassenheide erfahren. Dass das Ehepaar seit nunmehr gut 30 Jahren aber auch alte Bügeleisen sammelt, war für uns neu. Ebenso, dass diese Leidenschaft gar kein so seltenes Hobby ist, denn bereits im 18. Jahrhundert sammelten Familien Bügelgeräte. Bei den Lehmanns sind mittlerweile über 3.000 Stück zusammengekommen. Diese sind allesamt zu bestaunen in einem Museum, das übrigens nicht nur Frauen interessant finden. Von diesen filigranen und doch schweren Geräten sind vor allem auch Männer angetan. Das trifft auf uns beide jetzt auch zu. Ob ich aber zukünftig meiner Frau das Bügeleisen aus der Hand schlage, um ihre Blusen in Form zu bringen, wage ich zu bezweifeln. Was aber der Name des vielleicht skurrilsten Museums Usedoms nicht verrät: Es beherbergt auch eine imposante Ausstellung von Glaskunst, darunter edle Glasvasen aus Murano. Leider – oder Gott sei dank? – sind diese Exponate nicht zu erwerben, denn auch nur eine dieser beeindruckenden Vasen hätte sicher unser Budget für diesen Urlaub gesprengt.

2000 Jahre Bügeleisen-Historie

Das Museum zeigt sehr viel Liebe zum Detail. Es wirkt wie ein großes, begehbares Stillleben. An manchen Stellen ist es eingerichtet wie eine gemütliche Wohnstube mit lebensechten Puppen. Auf den Tischen stehen Kaffeepötte und Glasvasen mit fast echten Sonnenblumen. Im Hintergrund sind  Bügeleisen zu sehen, gleich neben einer eisernen Mangel. Fast fühlt man sich, als wäre man bei einer Familie aus längst vergangener Zeit zu Gast.
Darüber hinaus finden sich auch uralte Exponate aus weit entfernten Regionen. Darunter auch der „Wolkenscheffel“. Diese frühesten Zeugnisse des Bügelns stammen aus China zur Zeit der Han-Dynastie um 200 v. Chr. bis etwa 220 n. Chr. Für den Besuch des Museums sollte man sich daher ruhig ein paar Stunden Zeit nehmen. Wer nicht genug bekommt, kann natürlich auch alle drei Museen der Lehmanns an einem Tag in Angriff nehmen. Dann kann man anschließend seine Erlebnisse bei einem Mellenthiner Bier im Wasserschloss verarbeiten. Ja, so ein Schlecht-Wetter-Tag auf Usedom kann auch sehr erlebnisreich sein.

Zu Besuch im verrückten Bügeleisenhaus

Zu Besuch im verrückten Bügeleisenhaus

Wasserschloss Mellenthin
Schlossallee 5
17429 Mellenthin
Tel.: 038379 2878-0
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Täglich ab 12 Uhr geöffnet


 
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